Wirtschaft in Deutschland – Die wirklichen Herausforderungen liegen noch vor uns

Erstellt am: 29.08.2020 – Geändert am: 28.08.2020

Quelle: Canva

Corona setzt die Wirtschaft weiterhin unter enormen Druck – nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Produktionen wurden gestoppt, Lieferketten unterbrochen, die Nachfrage sank deutlich. Das blieb nicht ohne Folgen: überall kam es zu einem massiven Rückgang der Wirtschaftsleistung. Aber wahr ist auch: Deutschland ist bisher so gut durch die Krise gekommen wie kaum ein anderes Land.

Die Maßnahmen aus dem Kraftpaket zeigen, dass die unionsgeführte Bundesregierung Probleme erkennt und schnell und besonnen reagiert. Von der temporären Senkung der Mehrwertsteuer profitiert jeder Einzelne. Kleine und mittelständische Unternehmen erhalten zusätzliche Unterstützung bei der Überbrückung. Lehrstellen werden erhalten, öffentliche Investitionen beschleunigt. Analog zum Kindergeld gibt es für Eltern einen Kinderbonus. Gleichzeitig wird in die Zukunft investiert: Beschleunigung beim 5G-Ausbau und der Digitalisierung von Behörden, Förderung von Zukunftstechnologien von Künstlicher Intelligenz bis Wasserstoff sowie Unterstützung der Forstwirtschaft bei der nachhaltigen Bewirtschaftung. Dafür gilt es auch die strukturellen Reformen weiter voranzutreiben. Nur wenn Investitionen in wichtigen Zukunftsbereichen schnell umgesetzt werden, kann Deutschland seine Spitzenstellung in der Welt behaupten und gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen.

Nach den enormen Kraftanstrengungen der vergangenen Monate ist erstes Licht am Ende des Tunnels zu sehen: Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft steigt. Gleichzeitig kommen die Hilfen dort an, wo sie benötigt werden. Durch das Kurzarbeitergeld und die Aussetzung der Insolvenzantragspflicht konnten viele Arbeitsplätze und Unternehmen erhalten werden. Der Arbeitsmarkt zeigt aktuell keinen beschleunigten Anstieg bei der Arbeitslosigkeit. Die Kurzarbeit sinkt seit Juni, bleibt jedoch auf hohem Niveau. Insbesondere die Branchen Automobil, Zulieferer und Maschinenbau sind darauf angewiesen. Laut VDMA arbeiten ein Drittel der Beschäftigten dort kurz. In Baden-Württemberg sind es laut ifo-Institut branchenübergreifend noch 19 Prozent.

Aus meiner Sicht herrscht jedoch eine trügerische Ruhe. Die Pandemie macht keine Pause - das zeigen die aktuellen Infektionszahlen. Es gibt keine zweite, sondern eine dauerhafte Welle. Diese gilt es zu beherrschen, um einen erneuten nationalen Lockdown soweit irgend möglich zu vermeiden. Ein zweiter Lockdown würde eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung fast unmöglich machen.

Die wirklichen Herausforderungen liegen noch vor uns. Corona beschleunigt den Strukturwandel. Durch den Einbruch des Welthandels leidet insbesondere die exportstarke deutsche Wirtschaft. Gesellschaftlich wie auch wirtschaftlich gilt es, sich darauf auszurichten und zu lernen, damit umzugehen. Es braucht ein Umdenken beim Handeln von "vor und nach Corona", zu "vor und mit Corona". Nur so kehrt Deutschland auf einen Wachstumspfad zurück. Dafür bedarf es einer Exitstrategie. Der Staat hat kurzfristig und zielgerichtet Hilfe geleistet und stark betroffenen Unternehmen eine Brücke gebaut. Auf Dauer ist dies nicht möglich. Deshalb sehe ich auch die Ende August beschlossene Verlängerung des Kurzarbeitergeldes bis Ende 2021 sehr kritisch. Eine dauerhafte Freistellung ist kontraproduktiv und setzt die falschen Anreize für Unternehmen und Mitarbeiter. Es darf nicht sein, dass Zombie-Unternehmen mitgeschleppt werden und die Hilfen den nötigen oder bereits stattfindenden Strukturwandel verhindern. Vielmehr muss die Politik Rahmenbedingungen für die Transformation gestalten und konkretisieren. Dazu zählen unter anderem der weitere Bürokratieabbau und ein Rahmen, wie Restrukturierungsverfahren ermöglicht werden können. Dies gilt es nach der Sommerpause anzugehen.

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