„Wir steigen aus der Kohle aus, aber nicht von heute auf morgen“

Erstellt am: 03.12.2018 – Geändert am: 03.12.2018

Im Interview mit dem SWR erklärt Joachim Pfeiffer, warum Deutschland nicht alleine das Klima retten kann, wir bereits heute Vorreiter im Bereich Energieeffizienz sind und Kohle nicht das Hauptproblem ist.

Lesen Sie hier das komplette Interview vom 3. Dezember 2018:

 

Anmoderation

 

Moderator: Sind wir in Deutschland nur zu geizig, um auf umweltfreundliche Energieformen umzuschalten?

Pfeiffer: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Deutschland ist ja sehr erfolgreich im Bereich der Reduzierung von CO2. Während sich der CO2-Ausstoß, der durch den Menschen verursacht wurde von 1990 bis heute, 2018, weltweit mehr als verdoppelt ha - von 20 auf 40 Milliarden Tonnen - hat sich die CO2-Emmission trotz Wirtschaftswachstum und einer Vervielfachung der Wirtschaftsleistung von 1,3 Mrd. Tonnen auf 900 Millionen Tonnen reduziert. Also mehr als 30 Prozent. Insoweit ist Deutschland hier nach wie vor weltweit an der Spitze.

Moderator: Wir könnten aber die Kohlekraftwerke abschalten, sagt Herr Lativ. Was halten Sie davon?

Pfeiffer: Kohle allein ist ja auch nicht das Problem. Wir haben 40% der Emissionen und des Stromverbrauchs im Gebäudebereich, 30% im Verkehrsbereich und 30% sind im Strom. Und deshalb müssen wir an allen Ecken und Enden etwas machen. Und das deutsche Vorbild zukünftig muss vor allem darin liegen, dass wir mit deutscher Technologie, die wir in die Welt exportieren, einen Beitrag leisten. Deutschland allein wird ja das Weltklima nicht retten können.

Moderator: Jetzt haben Sie aber nur sehr eingeschränkt auf meine Fragegeantwortet, ob man die Kohlekraftwerke abschalten kann oder nicht?

Pfeiffer: Die Kohle ist die resultierende, die werden Schritt um Schritt abgeschaltet. Wir haben 2011 in Deutschland mit großer Mehrheit – ich war damals nicht dafür – für den quasi sofortigen Ausstieg aus der Kernenergie entschieden und damit war klar, dass wir aus dem Ausbau der Erneuerbaren im Strombereich zunächst die Kernkraft ersetzt wird und eben nicht die Kohle. Im weiteren Prozess, in den nächsten 15-20 Jahren werden wir automatisch auch deutlich weniger CO2 und Strom aus Kohle haben. Aber das allein – und darauf wollte ich hinweisen – wird das Problem nicht lösen. Wir führen hier immer eine sehr national geprägte Debatte, als könnte Deutschland allein das Problem lösen. Das können wir aber weder von der Menge, die Emissionen, die Deutschland heute weltweit hat. Der Anteil ist weniger als 2%. Deshalb muss die deutsche Vorbildfunktion aus meiner Sicht daher technologisch sein. Letzte Woche hat BASF seine Ziele veröffentlicht. BASF, beispielsweise, hat auch seit 1990 als Unternehmen 50% CO2 reduziert bei der Verdoppelung des Produktionsniveaus. Bis 2030 wollen sie CO2-neutral wachsen. Damit schafft BASF einen Anteil, nicht nur in Deutschland, die sind auch in den USA, China unterwegs, damit exportieren wir unsere Technologie und unsere hohe Energieeffizienz in die Welt und leisten einen Beitrag zur Reduktion. Das ist viel entscheidender als die sehr verengte Diskussion, die wir gerade in Deutschland rein um die Kohle führen. Ist doch völlig klar! Wir steigen aus der Kohle aus, aber nicht von heute auf morgen. Die Diskussion, die hier zum Teil mit linksgrünem Alarmismus gerade wieder geführt wird ist wirklich nicht hilfreich.

 

Abmoderation

Die Audio-Datei zum Interview finden Sie hier (Quelle: SWR)

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