Wie gerecht ist Deutschland?

Erstellt am: 18.08.2017 – Geändert am: 28.08.2017

In der morgigen Samstagsfrage der Waiblinger Kreiszeitung geht es um das Thema Gerechtigkeit. Da die Vorgabe von 140 Zeichen nicht ausreichend Platz für Erklärungen bietet, wird Joachim Pfeiffer in der heutigen Ausgabe der Pfeiffer-Post näher darauf eingehen, wie gerecht es in Deutschland zugeht.  
 
Objektiv geht es in Deutschland gerecht zu, dem Land und den Menschen geht es so gut wie nie. Es gibt natürlich auch Menschen, denen es nicht so gut geht. Deshalb ist Gerechtigkeitsempfinden sehr subjektiv. Doch wir haben in Deutschland ein funktionierendes Transfersystem über Steuern und Abgaben, welches denen hilft, denen es nicht so gut geht. Starke Schultern tragen nicht nur bei der Einkommensteuer deutlich mehr als schwache – die gewünschte Umverteilung funktioniert also.
Bei der Betrachtung der Einkommensungleichheit ist es wichtig, zum einen zwischen Brutto- und Nettoeinkommen zu unterscheiden, zum anderen ebenso, neben Arbeitseinkommen auch andere Einkommensarten zu berücksichtigen und den Haushalt, nicht die Einzelperson, als Bezugsgröße zu wählen.
Die Bruttolohnungleichheit in Deutschland erscheint im internationalen Vergleich hoch. Wie auch in Schweden oder Dänemark ist dies deshalb so, weil der Staat stark umverteilt und damit auch die Verteilung der Markteinkommen beeinflusst. Entscheidend ist jedoch die Ungleichheit der realen Nettoeinkommen auf Haushaltsebene. Dort nimmt Deutschland unter 20 OECD-Staaten Platz 7 ein. Damit gehört Deutschland zu den Staaten, die ein besonders geringes Maß an Ungleichheit aufweisen:
Es zeigt sich, dass die reale Nettoeinkommensungleichheit, gemessen durch den sogenannten Gini-Koeffizienten, auf Haushaltsebene durch die Progression des Steuer- und Transfersystems um etwa 40% unter dem Niveau der realen Bruttoeinkommensungleichheit auf Haushaltsebene liegt.

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