Tiefer Fall: Brexit trifft Briten, aber auch Deutsche

Erstellt am: 12.10.2018 – Geändert am: 12.10.2018

Copyright: CDU Deutschland/Markus Schwarze

Noch steht nicht fest, wie der Brexit im März 2019 organisiert werden soll. Die Verhandlungen in Brüssel laufen derzeit auf Hochtouren. Bis zum 17. Oktober soll ein Austrittsabkommen in Reichweite sein. Allerdings, so der EU-Chefunterhändler Michel Barnier, seien bereits 80 bis 85 Prozent des Abkommens ausgehandelt. Doch, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, richtig feststellte, steckt der Teufel oft im Detail.

Unabhängig davon, wie am Ende der Austrittsvertrag aussieht, so ist schon heute klar, dass der Brexit sowohl die EU als auch Großbritannien wirtschaftlich hart in Mark und Bein treffen wird. Dies trifft gerade auch auf Deutschland zu, schließlich ist Großbritannien momentan der drittwichtigste Handelspartner hiesiger Unternehmen: Fast fünf Prozent des deutschen Bruttoinlandsproduktes hängen demnach direkt und indirekt am Handel mit den Briten.

Bei einem harten Brexit, also wenn Großbritannien die EU im März 2019 ohne Freihandelsabkommen verlässt, würden deutschen Unternehmen laut einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft über drei Milliarden Euro Zollkosten drohen. Dies würde insbesondere die Automobilindustrie schwer treffen, da rund 60 Prozent der Mehrkosten, die durch zusätzliche Zölle für Deutschland entstehen, auf sie entfallen würden.

 

Als Reaktion auf die Mehrkosten dürften die deutschen Unternehmen höhere Preise veranschlagen sowie neue Handelswege für ihre Produkte ausloten.

Hinzu kommt, dass rund 80.000 deutsche Erwerbstätige im Vereinigten Königreich beschäftigt sind und damit direkt vom EU-Austritt betroffen sein werden.

Viel stärker betroffen ist aber das Vereinigte Königreich selbst. Bereits heute lassen sich die wirtschaftlichen Auswirkungen des Brexits nicht mehr hinweg diskutieren.

So hinkt der private Konsum hinterher, private Investitionen schwächeln und die Direktinvestitionen aus dem Ausland sind, so das IW Köln, regelrecht eingebrochen. In den Jahren 2010 bis 2016 hatten ausländische Investoren noch 66 Milliarden Euro im Vereinigten Königreich angelegt. Nach dem Brexit-Votum allerdings brachen die Auslandsinvestitionen um 80 Prozent ein und sind im vergangenen Jahr auf 15 Milliarden Euro geschrumpft. Damit ist Großbritannien von einem der beliebtesten Standorte für ausländische Direktinvestitionen unter den EU-Staaten auf einen der letzten Ränge gerutscht.

Daran wird deutlich: Niemand kann ein ernsthaftes Interesse an einem No-Deal-Szenario haben. Jetzt gilt es, die weiteren Entwicklungen in den Verhandlungen genauestens zu verfolgen und aufs Tempo zu drücken.

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