Reise in die ASEAN-Staaten - Globale Partner für globale Herausforderungen

Erstellt am: 22.03.2019 – Geändert am: 22.03.2019

Zehn Länder und mehr als 640 Millionen Einwohner – die ASEAN („Association of Southeast Asian Nations“) ist einer der größten Wirtschaftsräume der Welt und sogar größer als die Europäische Union. Davon konnten sich die Mitglieder der Parlamentariergruppe ASEAN des Deutschen Bundestages, zu der auch Joachim Pfeiffer gehört, vom 24. Februar bis 5. März auf ihrer Delegationsreise nach Indonesien, Malaysia und Singapur überzeugen. Dort trafen sie sich mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, um die bilateralen Kooperationen zu stärken. Auch Gespräche mit politischen Stiftungen und NGOs zu den Themen Wirtschaftsentwicklung, Klimawandel, Plastikmüll und Regenwaldabholzung, Innovationen und Start-ups standen auf der Agenda. 

1967 wurden die ASEAN als Reaktion auf den Vietnamkrieg gegründet. Das Ziel der Mitgliedssaaten, Indonesien, Singapur, Malaysia, Thailand, Philippinen, Vietnam, Myanmar, Brunei, Laos und Kambodscha ist es, die politische, soziale und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu stärken. Seit 2015 gibt es einen gemeinsamen Binnenmarkt. Gemeinsame Gesetze oder eine einheitliche Währung wie die EU hat der Verbund (noch) nicht. Dass die ASEAN eine Wachstumsregion mit großem Potenzial auch für deutsche Unternehmer ist, wird an den jährlichen Wachstumsraten von rund 5,3 Prozent deutlich (OECD). Die Offenheit gegenüber multilateralen Ansätzen ist groß. Das zeigt auch das in diesem Jahr abgeschlossene Freihandelsabkommen (EUSFTA) zwischen der EU und Singapur, welches als Muster für Abkommen mit allen ASEAN-Staaten dienen kann. Eine Ausdehnung der Zusammenarbeit lohnt sich, da das Wachstumspotential der ASEAN das europäische um ein Vielfaches übersteigt.

Die Bundestagabgeordneten der Parlamentariergruppe ASEAN stellten bei ihren zahlreichen Gesprächen mit Regierungsvertretern klar, dass sie dieses Engagement auch künftig ausbauen wollen. Der wirtschafts- und energiepolitische Sprecher Joachim Pfeiffer (CDU/CSU), beispielsweise, bekräftigte: „Wir sind nur mit einem multilateralen Ansatz in der Lage, die globalen Herausforderungen zu meistern. Unsere Partnerschaft mit den ASEAN beruht auf gemeinsamen Werten sowie Interessen in zahlreichen Feldern.“ Aus diesem Grund wurden auch schwierige Fragen, wie die Palmölproduktion - ein besonders heikles Thema zwischen der EU und Indonesien - angesprochen. Denn für den Anbau von Ölpalmen, deren Öl für Biosprit zum Einsatz kommen, müssen riesige Flächen von Regenwald und Moor gerodet werden. Das Resultat ist, dass der Einsatz von Biosprit im Prinzip zu einem höheren statt geringeren CO2-Verbrauch führt. Daher hatte das EU-Parlament unlängst gefordert, stärkere Auflagen bei der Verwendung von Palmöl zu machen sowie bis Ende 2020 dem Palmöl im Biodiesel ein gänzliches Ende zu setzen. Wenngleich sie nicht so drastische Schritte fordert, soll konventioneller Biodiesel auch laut EU-Kommission künftig keine so große Rolle mehr beim Anteil an erneuerbaren Energien spielen. Dies würde insbesondere Indonesien und Malaysia, die weltweit größten Palmölproduzenten, hart treffen.

Doch Palmöl wird vor allem auch für die Herstellung von Lebensmittelprodukten benötigt. Zur Sicherung der Welternährung werden wir daher auch in Zukunft auf die ASEAN angewiesen sein.

Eine engere Zusammenarbeit wollen die EU und ASEAN hingegen beim Handel pflegen. Bereits heute ist die EU zweitgrößter Warenhandelspartner der ASEAN-Staaten. Bei den ausländischen Investitionen steht die EU sogar an erster Stelle. Außerdem ist der ASEAN-Raum ein wichtiger Knotenpunkt für Warenströme aus Europa. Allerdings ist das Wirtschaftspotential noch nicht ausgeschöpft. Um dem Handel zwischen den wirtschaftlich dynamischen Regionen einen neuen Schub zu verleihen, verhandelt die EU aktuell mit mehreren ASEAN-Mitgliedsstaaten über Freihandelsabkommen. Langfristiges Ziel ist es sogar sein, freien Handel zwischen den beiden Wirtschaftsräumen zu ermöglichen.

Auch im Bereich der beruflichen Bildung soll die Zusammenarbeit intensiviert werden. So fördert das Bundeswirtschaftsministerium in Kooperation mit dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag einige ausgewählte ASEAN-Staaten bei der Einführung der dualen Berufsausbildung mit Hilfe sogenannter Skills Experts. Sie unterstützen zum Beispiel ein Pilotprojekt in Indonesien, wo eine duale Ausbildung zum Industriemechaniker mit einer öffentlichen Berufsschule gestartet ist.

Trotz allen Fortschritts und der dynamischen Wirtschaftsentwicklung stehen die ASEAN auch vor großen Problemen. Mit über 110 Millionen Touristen jedes Jahr sind sie zwar ein beliebtes Urlaubs- und Reiseziel. Damit einher geht allerdings auch eine Zunahme von Kunststoffabfällen und Mikroplastik, die auf Müllkippen abtransportiert werden, nahezu unsortiert verbrennt werden oder direkt im Wasser landen. Die Auswirkungen dieses sogenannten Plastikmülltourismus auf Umwelt, Gesundheit, aber auch die Wirtschaft gibt Anlass zur großen Sorge. Auch bei der Bewältigung des Klimaschutzes wollen Deutschland, die EU und ihre südostasiatischen Partnerländer künftig enger zusammenarbeiten.

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