Organspende: Deutscher Bundestag stimmt für Entscheidungslösung

Erstellt am: 17.01.2020 – Geändert am: 17.01.2020

Quelle: Pixabay

In Deutschland gibt es viel zu wenig Organspender. Der Deutsche Bundestag hat daher nun die Regeln geändert, um mehr Spenden zu erreichen. Doch der Weg dorthin war umstritten. Zwei fraktionsübergreifende Gesetzentwürfe standen zur Wahl. Erstens: die doppelte Widerspruchslösung, die insbesondere von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn unterstützt wurde. Demnach sollten automatisch alle Bürger, die nicht ausdrücklich widersprochen hatten, als Organspender gelten. Zweitens: Die Entscheidungslösung, die eine aktive Abfrage bei den Bürgern alle zehn Jahre vorsah, beispielsweise bei der Beantragung oder Verlängerung eines Passes auf dem Bürgeramt. Auch Hausärzte sollten ihre Patienten alle zwei Jahre über eine mögliche Organspende beraten.

Nun hat der Bundestag am gestrigen Donnerstag mit großer Mehrheit für eine erweiterte Entscheidungslösung gestimmt und damit eine moderate Reform der Organspenderegeln für Deutschland beschlossen. Die Menschen werden künftig öfter als bislang an die Organspende erinnert, aber auf freiwilliger Basis. Ebenso wie bei der vorgeschlagenen Widerspruchslösung soll auch bei der erweiterten Entscheidungslösung ein bundesweites Online-Register eingeführt werden, nur eben nach umgekehrtem Prinzip: Nur derjenige, der aktiv zugestimmt hat wird auch als Spender verzeichnet.

Joachim Pfeiffer kann mit der nun getroffenen Entscheidung im Parlament leben, hielt die von Bundesgesundheitsminister Spahn vorgeschlagene Widerspruchslösung allerdings für den sinnvolleren Weg. Dazu erklärt er: „Eine Organspende bedeutet für die betroffenen Menschen Hoffnung und eine neue Lebensperspektive. Jedes Organ, das von den Medizinern auf alle Verträglichkeitsmerkmale hin untersucht und als geeignetes Spenderorgan klassifiziert wird, hilft einem Menschen auf der Warteliste weiter. Bei einer doppelten Widerspruchslösung müssen sich alle Menschen, denen die Frage der Organspende wichtig ist, Gedanken machen. Alle, die sich diese Gedanken gemacht haben und sich aus freien Stücken dagegen entscheiden, legen ihr Veto ein und müssen nicht um ihre Organe fürchten. Es gibt somit keinen Zwang zur Organspende, sondern einen Quasi-Zwang zur Information. Alle, denen es schlichtweg unwichtig ist, was mit ihnen nach ihrem Tod passiert und deswegen auch nicht aktiv einen Spenderausweis beantragen, erhöhen die Chance auf das Weiterleben anderer Menschen. Das ist ein Automatismus, genauso wie jeder automatisch mit 18 Jahren die Pflicht erhält, zu wählen. Die muss auch niemand selber beantragen, aber jeder kann sich dagegen entscheiden – immer wieder, aus freien Stücken.“

Jedes Jahr warten bis zu 10.000 Menschen in Deutschland auf ein Organ, bis zu 2.000 sterben auf der Warteliste. Insbesondere Nieren werden gebraucht. Für eine moderne westliche Gesellschaft, die auf jüdisch-christlichen Wurzeln aufgebaut ist, ist diese geringe Spender-Zahl erbärmlich. In anderen Ländern liegt die Zahl der Organspender deutlich höher, zum Beispiel in Spanien. Hier gilt die Widerspruchsregel, wie in 20 weiteren europäischen Staaten auch. In Dänemark, Litauen, Island, Rumänien und der Schweiz gilt eine erweiterte Zustimmungslösung.

Nun bleibt zu hoffen, dass sich mit der Neuregelung der Organspende die Zahl der Bürger, die im Fall des eigenen Ablebens anderen Menschen ein Weiterleben ermöglichen wollen, erhöhen lässt.

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