Kinderarztmangel im Rems-Murr-Kreis. Und nun?

Erstellt am: 20.09.2017 – Geändert am: 21.09.2017

Kinderarztmangel im Rems-Murr-Kreis. Und nun? - Joachim Pfeiffer sucht und findet Auswege

Quelle: CDU / Tobias Koch

Viele Eltern suchen vergeblich nach einem Platz beim Kinderarzt. Doch die Wartezimmer sind voll, die Anmeldelisten lang und die Kapazitäten ausgeschöpft. Im Rems-Murr-Kreis herrscht Kinderarztnot. Seit dem Frühjahr sucht der Waiblinger Bundestagsabgeordnete Dr. Joachim Pfeiffer gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg nach Lösungen - mit Erfolg.

Laut der sogenannten Bedarfsplanung der Kassenärztlichen Vereinigung dürfte im Rems-Murr-Kreis keine neue Kinderarztpraxis öffnen. Denn mit 28,5 Kinderärzten sollte es eigentlich ausreichend Ärzte geben, um die 71.722 0-bis-18-jährigen Kinder und Jugendlichen zu versorgen. Dies entspricht einem Versorgungsgrad von 142,5 Prozent und liegt damit schon weit über der gesetzlich festgelegten Obergrenze, die bei einem Versorgungsgrad von 110 erreicht ist.

Sonderbedarf wird in der Regel nur dann genehmigt, wenn eine Qualifikation dringend benötigt, aber nirgendwo angeboten wird. Das sind die gesetzlichen Fakten. Die Realität spricht allerdings eine andere Sprache. „Die Bedarfsplanung ist völlig veraltet“, lautet das nüchterne Urteil des Vorstandsvorsitzenden der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg Dr. Norbert Metke bei der gemeinsamen Veranstaltung „Kinderärztliche Versorgung im Rems-Murr-Kreis“ mit Dr. Joachim Pfeiffer am Dienstag, den 12. September, im Familienzentrum Karo in Waiblingen. Die Kinderarztpraxen platzen aus allen Nähten; viele Eltern bekommen entsprechend keinen Termin mehr. Auf Drängen des Waiblinger Bundestagsabgeordneten hat nun die Kassenärztliche Vereinigung (KV) die Ärzte im Remstal angeschrieben, um abzufragen, ob sie weitere Kapazitäten zur Verfügung stellen können. Falls nicht – wovon auszugehen ist - , wird die KV Sonderbedarf beantragen, der zur Zulassung eines weiteren Kinderarztes führen sollte. Dass die Ärzte keine Kapazität mehr haben, wurde ja schon festgestellt, sonst gäbe es ja keinen Kinderarztmangel und keine Termine.

„Das ist richtig und wichtig“, zeigt sich Joachim Pfeiffer erfreut: „Um die Kinderarztnot zu lindern und eine bestmögliche Versorgung des Nachwuchses vor Ort sicherzustellen, können wir nunmehr an drei Stellschrauben drehen“:

Erstens, die Terminvermittlung von gesetzlich Krankenversicherten zu einem Facharzt, für die die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung verantwortlich ist, soll jetzt auch auf Kinderärzte ausgeweitet werden.

Zweitens, bestehende Praxen sollen weitere Ärzte anstellen können, so Dr. Metke. Das heißt, die sogenannte „Deckelung“ wird für die Region angehoben, obwohl die Anzahl der Kinderärzte die gesetzlich zulässige Höchstzahl bereits übersteigt. Hier wird eine Zusammenarbeit mit Kinderarztpraxen in Stuttgart angestrebt, sodass Familien auch dorthin ausweichen können. In Stuttgart ist es bereits gelungen, 600 zusätzliche Kinderarzt-Termine zur Verfügung zu stellen.

Drittens darf sich künftig aufgrund des Sonderbedarfs ein zusätzlicher Kinderarzt mit einer Praxis niederlassen. Dieser muss weder eine bestehende Praxis übernehmen noch warten, bis ein Kinderarzt aufhört. Die Frage ist nur, ob sich ein Kinderarzt finden lässt, gibt Dr. Metke zu bedenken. Die Suche läuft bereits auf Hochtouren.

Laut Empfehlung der Waiblinger Kinderärztin Annette Weimann besteht darüber hinaus die Möglichkeit, auf Kinderärzte in Nachbarorten auszuweichen, die weniger stark ausgelastet sind als die Ärzte vor Ort, insbesondere in Sulzbach und Murrhardt gebe es noch Plätze. Gerade für Eltern ohne Auto dürfte dies allerdings ein eher schwieriges Unterfangen sein.

In einem Antwortschreiben des Bundesgesundheitsministeriums, welches Joachim Pfeiffer ebenfalls im Frühjahr eingeschaltet hatte, wird zudem darauf hingewiesen, dass der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), also die Selbstverwaltung der Krankenkassen und ärztlichen Leistungserbringer, vom Gesetzgeber im Juli 2015 beauftragt wurde, die planungsrechtlichen Vorgaben in der Bedarfsplanungsrichtlinie zu überprüfen. Der G-BA hat dabei insbesondere die Möglichkeit einer kleinräumigen Planung erneut zu beraten und inzwischen ein umfassendes Gutachten in Auftrag gegeben. Ziel ist, die Vorgaben der Bedarfsplanung so weiterzuentwickeln, dass sie dem tatsächlichen Versorgungsbedarf besser gerecht wird.

Dies ist ein positives Signal, da sind sich Dr. Metke und Dr. Pfeiffer einig. Schließlich gilt es, die Bedarfsplanung mit ihren 1992 festgelegten Obergrenzen so zu reformieren, dass die geänderten Bedingungen der Kindermedizin, die steigenden Geburtenzahlen und die große Zahl an Flüchtlingskindern in der Bedarfsplanung entsprechende Berücksichtigung finden.

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