Joachim Pfeiffer -Hardware-Nachrüstungen sind rückwärtsgewandt, helfen weder den Autobesitzern noch der Umwelt

Erstellt am: 25.09.2018 – Geändert am: 25.09.2018

Quelle: Christiane Lang

Mit dem SWR hat der Wirtschaftspolitiker Dr. Joachim Pfeiffer MdB am gestrigen Montag über das Thema Diesel Hardware-Nachrüstungen gesprochen. Das vollständige Interview können Sie hier nachlesen.

Anmoderation.

 

Warum stemmen sich Teile der Union so vehement gegen die Hardware-Nachrüstung?

Also, die Hardware-Umrüstung ist aus meiner Sicht rückwärtsgewandt. Sie hilft der Umwelt nur beschränkt und zeitlich verzögert und sie hilft den Kunden eigentlich auch nicht. Denn die Kunden wollen ja Fahrverbote umgehen und vermeiden und vor allem wollen sie einer Entwertung ihres Fahrzeuges entgegenwirken. Deshalb glaube ich, ist es besser, das, was wir bisher gemacht hat - Software-Nachrüstungen zu machen. Sie wirken sofort und schnell. Statt Hardware-Nachrüstungen brauchen wir intelligentere und innovativere Lösungen , beispielsweise Nachlässe oder Zuschüsse auf Neuwagenkauf oder Miet-Lösungen oder mit anderen Pool-Lösungen fahren wir da viel besser. Weil sonst haben wir Lösungen, die letztlich weder der Umwelt noch dem Autobesitzer dienen.

 

Als CDU setzen Sie sich ja für den Mittelstand ein. Dieselfahrer, die ihren Wagen nicht mehr loswerden und gleichzeitig kein Geld für einen Neuwagen haben, denen helfen auch Zuschüsse nichts. Das ist der klassische Mittelstand. Was sagen Sie denen?

"Doch, das hilft natürlich schon. Wenn ein Autoeigentümer aufgrund von Vergehen, und das ist entsprechend festzustellen, und dort betrogen wurde, dann müssen die Automobilhersteller oder auch Nutzfahrzeughersteller, die dort Fehler und Vergehen begangen haben, dafür auch geradestehen. Und deshalb finde ich es hilfreicher, dass Nachlässe oder ich sag's noch einmal innovative Ansätze und da kann man auch an Miet- oder Pool-Lösungen denken, das in dem Bereich, wo wir über Fahrverbote reden,  entsprechend an die Verbraucher dann vermieden werden können. Die Hardware-Lösung ist, wie gesagt, rückwärtsgewandt. Sie geht technisch ohnehin nur bei einem gewissen Anteil. Die meisten Fahrzeuge, bei Euro-4 sowieso, aber auch bei Euro-5, sind fünf, sechs, sieben Jahre alt, nach acht Jahren ist die Flotte sowieso umgeschlagen , die die umgerüstet sind , die Hardware-Lösung würde hier nichts nutzen. Das sind Dinge, die man machen kann.

 

Es gibt übrigens auch in Baden-Württemberg genügend Experten, die sagen, wir haben diese ganze Nachrüstungs-Kits bereits im Schrank, sie müsste nur zugelassen werden.

„Ja, aber die Zulassung und Umrüstung dauert im Zweifel mehrere Jahre. Deswegen greift das zu kurz. Auch unter Umweltgesichtspunkten ist das nicht so attraktiv. Also, wie gesagt, ich finde es sowieso sehr bedauerlich, dass wir Fahrverbote haben, gerade in BaWü. Deswegen müssen wir nun alles tun, um Fahrverbote bei Euro-5 zu vermeiden. Und Hardware-Umrüstungen sind nicht geeignet weder um den Autoeigentümern und Besitzern weiterzuhelfen noch der Umwelt.

 

Da stehen Sie innerhalb der CDU Südwest ziemlich alleine da. Die CDU-Landtagsfraktion will sich bei BM Scheuer für Hardware-Nachrüstungen bei Dieselautos Euro-Norm 4 einsetzen.

„Man kann das ja durchaus freiwillig anbieten. Aber in der Tat hilft das nichts. Und, wie gesagt, mit den Kollegen und Kolleginnen, wo ich da spreche, die sehen das eigentlich ähnlich.“

 

Die SPD will auch eine Hardware-Nachrüstung. Eine Lösung soll in dieser Woche noch kommen. Mit welchem Angebot dürfen die Bürger also rechnen?

„Die Gespräche waren gestern Abend noch nicht beendet. Insofern kann und will ich dem auch nicht vorgreifen. Ich gehe aber davon aus, dass alle den Schuss gehört haben und dass es jetzt eine Lösung braucht, wo alle an einem Strang ziehen. Das heißt, dann auch den Menschen, die mit gutem Gewissen ein Fahrzeug gekauft haben, eine Perspektive zu bieten und die muss natürlich dann auch finanziell für die attraktiv sein und sie soll der Umwelt helfen. Hardware-Nachrüstungen sind da in ganz wenigen Einzelfällen dort vielleicht die Lösung , es hilft aber weder dem Eigentümer noch der Umwelt, ich kann das nur nochmals wiederholen. Deshalb braucht es aus meiner Sicht intelligentere Lösungen , wie, ich wiederhole es nochmals, Nachlässe oder Zuschüsse bei Neufahrzeugen oder auch bei von Fahrverboten gefährdeten Städten und Regionen Lösungen im Pool und andere Dinge mehr, sodass da auch das Handwerk und der Mittelstand nicht beeinträchtigt werden. Auch Ausnahmen von Fahrverboten sollten maximal genutzt werden, weil die Luftqualität, die sowohl bei Feinstaub als auch bei NOx gemessen werden, das muss man ja auch einmal sagen, die hat sich ja seit 1990 um 70% verbessert. Wir haben die beste Luft, die wir je hatten. Die Diskussion, die wir damals geführt haben, als wären wir hier in Peking , ist natürlich auch abwegig.

 

Abmoderation.

 

Das Interview mit Joachim Pfeiffer finden Sie hier (Quelle: SWR):

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