Interview zu Nord Stream 2

Erstellt am: 13.02.2019 – Geändert am: 15.02.2019

Copyrigth: Büro Dr. Pfeiffer MdB

Unabhängigkeit Europas wird nicht geringer sondern sie steigt“, meint Joachim Pfeiffer im Interview mit der Welt. Lesen Sie das komplette Interview hier.

Moderator: Gehen wir mal ein bisschen in die Analyse dieses Themas. Im Paul-Löbe-Haus begrüße ich nun Joachim Pfeiffer, den energiepolitischen Sprecher der Unions- Bundestagsfraktion. Grüße Sie, Herr Pfeiffer.

Pfeiffer: Guten Tag.

Moderator: Wie sehen Sie das Ganze- diesen Kompromiss- kann Deutschland damit leben? Es ist ja schon ein gewisser Dämpfer.

Pfeiffer: Also ich sehe das als eine sehr gute Nachricht, dass Nord Stream 2 jetzt gebaut werden kann oder zu Ende gebaut werden kann. Es ist ja bereits im Bau und es ist eine gute Nachricht für Deutschland und Europa, weil die Versorgungssicherheit Deutschlands und Europas damit ansteigt. Die Rolle des Gases nimmt zu. Wenn wir aus der Kernenergie in Deutschland aussteigen, wenn die Kohle zunehmend eine geringere Bedeutung in der Energieversorgung hat- dann nimmt neben den Erneuerbaren, die wir ja massiv ausbauen, Gas eine zentrale Rolle ein. Und damit ist natürlich der Schlüssel für das Gas auch die Versorgung mit dem Gas. Wir haben ja in Deutschland und in Europa nur noch eine Eigenproduktion von vielleicht 20 %, d.h. wir müssen 80 % unseres Gases zukünftig auch importieren und deshalb ist es wichtig, dass wir eine diversifizierte Importstruktur haben, sowohl nach den Quellen, also wo das Gas herkommt, als auch über die Transportrouten und deshalb ist es gut, dass wir möglichst viele Pipelines haben und dass wir LNG-Terminals haben und dass wir auch genügend Speicher in Deutschland und Europa haben, dass wir hier unsere Versorgungssicherheit auch langfristig sicherzustellen.

Moderator: Herr Pfeiffer, dann gibt es ja auch die Sorge der ost-europäischen Länder, dass sie umgangen werden. Frankreich ist kurzfristig auf diese Linie auch umgeschwenkt, deshalb musste dieser Kompromiss gefunden werden. Lassen Sie uns mal ein bisschen die Details angucken: Eigentürmer und Betreiber von Nord Stream ist ja die Nord Stream AG, der Mutterkonzern der Nord Stream AG mit Sitz in der Schweiz ist der russische Energieriese Gasprom. Ihm gehören ja 51 % der Anteile von Nord Stream 1 und Nord Stream 2 gehört ihm sogar zu 100 %. Zu den Investoren der Pipeline zählen unter anderem auch der Shell-Konzern und da fragt man sich doch Herr Pfeiffer, wenn man sich das genauer anguckt, die deutsche Energiewirtschaft ist ja dann schon relativ abhängig von den Russen.

Pfeiffer: Wir sind von Importen abhängig, wenn wir nur in Deutschland 10 % weniger mittlerweile selber produzieren, also müssen wir in Deutschland 90 % importieren, in Europa müssen wir 80 % importieren. Deshalb ist es ja gerade wichtig, möglichst viele Pipelines zu haben und wenn jetzt Nord Stream 2 dazu kommt, haben wir im Moment einen Gasverbrauch in der europäischen Union von rund 500 bcm als Milliarden Kubikmetern an Gas und wir haben LNG-Terminals, die ungefähr die Hälfte dieses Imports abdecken können und wir haben dann auch Pipeline, die deutlich mehr als die Hälfte abdecken und es sind Pipelines im Bau und es sind LNG-Terminals im Bau sodass wir weitaus mehr Transportkapazitäten haben als wir Gasbedarf haben und damit ist es natürlich mehr Wettbewerb und damit wird die Liquidität im Markt erhöht und insofern ist es ein Vorteil für Deutschland, Europa und auch für die Verbraucher, dass sie von mehreren Bezugsquellen profitieren können. Nord Stream 2 allein liefert eine neue Kapazität von ungefähr 10 % des europäischen Gasbedarfes, den wir momentan. Das heißt die Unabhängigkeit Europas wird nicht geringer sondern sie steigt dadurch, d.h. die Versorgungssicherheit für Deutschland und Europa wird höher.

Moderator: Verstehen Sie das denn, dass die Franzosen dann noch umgeknickt sind in der vergangenen Woche, dass das ja dann auch den Weg des Kompromissfindens geben musste, weil vor allen auch die  ost-europäischen Länder so einen Druck gemacht haben und das die Franzosen  sich tatsächlich dann gegen Deutschland gestellt haben.

Pfeiffer: Es ist, glaube ich, wie immer - Politik braucht Kompromisse und das hier ist aus meiner Sicht ein guter Kompromiss, der hier gefunden wurde, weil er zeigt, dass Europa in der Lage ist sich zu einigen und einen Weg zu finden und es stärkt somit auch die europäische Union und es muss sich keiner in der europäischen Union Sorgen machen, dass ihm das Gas ausgeht. Sie haben es ja in Ihrem Bericht angesprochen, es gab ja auch schon Knappheitssituationen und Boykotts, insbesondere was die Ukraine damals anbelangt hat, seitdem haben wir in der europäischen Union mit dem sogenannten „Reverse-Flow“, also Umkehrflüssen bei Gas es ermöglicht, dass Gas in alle Länder Europas fließen kann und mit genügend Speicher, genügend Pipelines, genügend LNG-Terminals Kapazitäten und der Eigenproduktion, die wir haben ist damit die Liquidität des Gases und die Gasversorgung 12 Monate im Jahr oder 365 Tage im Jahr sichergestellt und das ist eine gute Nachricht für alle  Verbraucher, das gilt für die Bürger genauso wie für die Industrie, die ja auch im hohem Maße von Energie und auch von Gas entsprechend profitiert und abhängig ist.

Moderator: Joachim Pfeiffer- der energiepolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion. Ich danke Ihnen für das Gespräch.

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