Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Erstellt am: 02.02.2018 – Geändert am: 02.02.2018

Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland offizieller Gedenktag an die Opfer des Holocausts. „An Auschwitz scheitert jede Gewissheit. Und das Vertrauen. In den menschlichen Fortschritt. Den Sinn von Geschichte. Die zivilisierende Kraft der Kultur. Die Gewissheit über die Grenzen dessen, was Menschen an Leid, Schmerz, Erniedrigung ertragen – und was sie anderen Menschen zufügen können. An Auschwitz scheitert die Gewissheit über uns selbst. Deshalb müssen wir sensibel sein, wachsam, selbstkritisch“, mahnte Bundespräsident Wolfgang Schäuble bei der Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag am Mittwoch. „Je weiter die Zeit des Nationalsozialismus zurückliegt, desto wichtiger wird die Erinnerung. Weil wir dazu neigen, für selbstverständlich zu halten, was doch die historische Ausnahme ist: Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit“. Er machte deutlich, dass  Hetze und Gewalt in unserer Gesellschaft keinen Raum haben dürfen. So kritisierte Schäuble scharf das Verbrennen von Israelflaggen in Deutschland, aber auch die Tatsache, dass die Mehrheit der Juden hierzulande im Alltag Antisemitismus ausgesetzt ist.

Nach seiner Begrüßungsrede hielt die Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch die Hauptrede und fand dabei eindeutige Worte: „Hass ist ein Gift. Und letztendlich vergiftet man sich selbst“. Die 1925 in Breslau geborene Lasker-Wallfisch ist eine deutsch-britische Cellistin und eine der letzten bekannten Überlebenden des sogenannten Mädchenorchesters von Auschwitz. Die Orchestermitglieder mussten unter anderem für das Lagerpersonal spielen. Im Frühjahr 1945 wurde Lasker-Wallfisch und ihre Schwester Renate von britischen Truppen aus dem Lager Bergen-Belsen befreit: „Wer hätte gedacht, dass wir Auschwitz lebendig und nicht als Rauch verlassen würden“.

Die 92-Jährige zeigte sich zutiefst erschrocken darüber, dass heute wieder jüdische Schulen oder Kindergärten polizeilich bewacht werden müssen. Der Hass richte sich heute oftmals nicht mehr per se gegen die Juden, sondern gegen die Israelis. „Antisemitismus ist ein 2000 Jahre alter Virus, scheinbar unheilbar“, resümierte sie nüchtern.

Im Hinblick auf die Erinnerungskultur sagte Lasker-Wallfisch, dass Schuldgefühle dennoch vollkommen fehl am Platz seien. Vielmehr ginge es jetzt darum, Verantwortung zu übernehmen und für Sicherheit zu sorgen, dass so etwas nie „aber auch nie wieder geschehen kann“, betonte sie und appellierte an die junge Generation, die Zukunft zu gestalten. Diese Generation könne zwar auf den Pfeilern der etablierten Demokratie aufbauen, müsse diese aber immer wieder neu mit Leben füllen müssen.

Sowohl  Lasker-Wallfisch als auch Schäuble machten deutlich, dass der 27. Januar uns alle betrifft. Dieser Tag ist Aufforderung und Mahnung an uns, etablierte Institutionen weder als selbstverständlich hinzunehmen, noch sich auf deren Beständigkeit zu verlassen, denn „diese Gewissheit kann es nach Auschwitz nicht mehr geben. Rechtstaat, Gewaltenteilung, Demokratie brauchen unser Engagement“, so Schäuble.

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