Erste Delegationsreise während der Pandemie: Deutsch-italienische Beziehungen stärken und voneinander lernen

Erstellt am: 26.10.2020 – Geändert am: 26.10.2020

Gemeinsam mit Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaft und Energie reiste Joachim Pfeiffer am vergangenen Sonntag nach Italien. Unter strengen Hygieneregeln ging es in fünf Tagen unter anderem nach Rom, Mailand und Bologna. Ziel der Reise war es, sich einen Eindruck über die wirtschaftliche Lage vor Ort zu verschaffen, von den getroffenen Maßnahmen während der Corona-Pandemie zu lernen und die Zusammenarbeit beider Länder zu stärken. Zudem stand der Strukturwandel in der Automobilindustrie im besonderen Fokus. 

Die Reise begann in der Hauptstadt Italiens, in Rom. Nach einem umfassenden Briefing durch den deutschen Botschafter Viktor Elbling zur wirtschaftlichen und politischen Situation des Landes trafen sich die Parlamentarier unter anderem mit Finanzminister Roberto Gualtieri, Interessenvertretern wie dem Generalsekretär der Confederazione Generale Italiana del Lavoro (CGIL), Maurizio Landini, der Vizepräsidentin des Industrieverbandes Barbara Beltrame und Mitgliedern des italienischen Ausschusses für Gewerbe, Handel und Tourismus. Im Mittelpunkt der Gespräche stand die Frage, ob die deutsch-italienische Handelspartnerschaft der Pandemie-bedingten konjunkturellen Abkühlung standhält und wie die Umsetzung des European Recovery Fund (ERF) zu gestalten ist. Außerdem Thema: Wie und ob Strukturreformen während der Krise genutzt werden.

Darüber hinaus beschäftigte sich die Delegation auch mit energiepolitischen Fragen. In Gesprächen mit Vertretern der deutsch-italienischen Handelskammer, dem Energieunternehmen ENEL und Mitgliedern des italienischen Wirtschaftsausschusses ging es insbesondere um die Themen Erneuerbare Energien und Wasserstoff. 

Nach zwei intensiven Tagen in Rom reiste die deutsche Delegation weiter nach Bologna, der siebtgrößten Stadt Italiens. Sie ist ein wichtiger nationaler Verkehrsknotenpunkt. Dort stand unter anderem eine Besichtigung beim Automobilhersteller Lamborghini auf der Tagesordnung. 

Anschließend ging es weiter nach Mailand. In der Hauptstadt der Region Lombardei besuchte die Delegation das neue Headquarter von Siemens, das erst kürzlich für 1.800 Mitarbeiter in einer Rekordzeit von 16 Monaten errichtet wurde. Zum Abschluss besichtigten die Delegationsmitglieder noch das Werk des italienischen Automobilzulieferers Brembo. Er gehört zu den bekanntesten Herstellern von Bremsanlagen für Kraftfahrzeuge und zählt mit einem Umsatz von mehr als 2,6 Milliarden Euro zu einem der größten Unternehmen in der Region.

 

Joachim Pfeiffer blickt positiv auf die erste Delegationsreise während der Corona-Pandemie zurück: 

"Italien hat insbesondere in der ersten Phase der Pandemie stark gelitten. Uns allen sind noch die verheerenden Bilder aus den italienischen Krankenhäusern im Kopf. Auch die Wirtschaft brach im europäischen Vergleich stärker ein. Bei unserer Reise haben wir Erkenntnisse geteilt und gemeinsam Maßnahmen besprochen, wie ein erneuter Zusammenbruch der medizinischen Versorgung, der Wirtschaft und des gesellschaftlichen Lebens verhindert werden kann. Außerdem war der Austausch wichtig, um den durch die Corona-Pandemie beschleunigten Strukturwandel aus einer europäischen Sichtweise zu betrachten. Auch hier ist eine Plattform notwendig, um gemeinsam Lösungsansätze zu erarbeiten.

Trotz der Ausnahmesituation war es wichtig, die Reise anzutreten und den Austausch mit unseren italienischen Freunden aufleben zu lassen. Denn eines steht fest: In einer stark globalisierten Welt ist Europa die kritische Betriebsgröße für Sicherheit, Innovation und Wachstum. 

Mein Dank gilt außerdem allen Beteiligten für ihren Einsatz bei der Umsetzung der Reise. Das strenge Hygienekonzept und die getroffenen Maßnahmen haben die Reise so sicher wie möglich gemacht."

 

Zum Hintergrund:

Italien war eines der Länder in Europa, die sehr früh und besonders stark von der Corona-Pandemie betroffen waren. Das Virus breitete sich mit Schwerpunkt im Norden in ganz Italien aus. In vielen norditalienischen Provinzen war das Gesundheitssystem so überlastet, dass viele Patienten nicht oder nicht angemessen behandelt werden konnten. Die italienische Regierung riegelte zunächst die Epizentren ab. Zahlreiche Maßnahmen wurden ab März beschlossen, die viele wirtschaftliche Aktivitäten unterbanden und die Bewegungsfreiheit der Bürger einschränkten. Öffentliche Veranstaltungen wurden abgesagt, Kirchen und Museen geschlossen, der Karneval in Venedig wurde abgebrochen. Viele Geschäfte und wenig später auch Produktionsbetriebe schlossen und für die Allgemeinheit galten massive Ausgangsbeschränkungen, die jedoch in der ersten Maiwoche gelockert wurden.

Während in anderen südeuropäischen Ländern wie Frankreich oder Spanien die Infektionszahlen seit einigen Wochen wieder stark anstiegen, war der Zuwachs in Italien zunächst noch gering. Aktuell steigen die Zahlen jedoch rasant in die Höhe. Am vorvergangenen Freitag (16. Oktober) wurden in Italien erstmals wieder mehr als 10.000, am folgenden Samstag bereits fast 11.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden registriert. Die Regierung reagierte am Sonntag prompt und verschärfte die Maßnahmen zum dritten Mal innerhalb von zwei Wochen.

Zurück