Equal Pay Day – Auf die Bereinigung kommt es an

Erstellt am: 22.03.2019 – Geändert am: 22.03.2019

Copyright: Markus Schwarze

Alle Jahre wieder am 20. März, dem Equal Pay Day, flackert die Debatte in Deutschland erneut auf. Seit dem 1. Januar bis zu diesem Tag haben die Frauen hierzulande umsonst gearbeitet. Theoretisch. Im Durchschnitt. Und rein statistisch. D.h. Frauen haben so lange über das Jahr 2018 hinaus arbeiten müssen, um das gleiche Jahres-Einkommen erzielt zu haben, wie ihre männlichen „Counterparts“. Dass der geschlechts-spezifische Entgelt-Abstand bei 21 Prozent liegt, stimmt aber nur auf den ersten Blick mit der Wahrheit überein. Bei näherer Betrachtung wird klar, dass die Forderung „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ in Deutschland schon fast überall Realität ist. Denn der Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen besteht nur, wenn man sich die Lohnsummen insgesamt anschaut. Dabei sind strukturelle Faktoren wie Berufsgruppen und individuelle Lebensläufe nicht berücksichtigt.

Es ist also zu kurz gesprungen, nur die allgemeine Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu betrachten. Die Gehaltsunterschiede  haben vielerlei Gründe, v.a. Größe des Unternehmens, Berufserfahrung, Branche etc. Statt Äpfel mit Birnen zu vergleichen, müssten wir den Lohn gleich qualifizierter Männer und Frauen auf vergleichbarer Stelle ins Verhältnis setzen. Tut man das, dann kommt man nur noch auf geringe Lohneinbußen für Frauen von 3,8 Prozent, so das Institut der deutschen Wirtschaft Köln. Werden außerdem Pausen im Berufsleben berücksichtigt, etwa wegen der Familie, wird die Zahl noch kleiner. Statt Pessimismus zu verbreiten, sollten wir uns lieber Gedanken darüber machen, wie diese kleine, aber doch existierende Lohnlücke, geschlossen werden kann. Hierzu brauchen wir weitere Angebote zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Eine gute Kinderbetreuung und flexiblere Arbeitszeiten sind wichtige Schlüssel. Außerdem gilt es, Mädchen schon früh für technische und naturwissenschaftliche Berufe zu begeistern. Hier ist nicht nur die Politik, sondern auch Wirtschaft, Schulen und Gesellschaft gefragt.

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