Digitalstrategie der Bundesregierung: KI als neues Markenzeichen für den Industriestandort Deutschland

Erstellt am: 16.11.2018 – Geändert am: 16.11.2018

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Für deutsche Unternehmen, kleine und mittelständische ebenso wie Start-Ups, bietet Künstliche Intelligenz (KI) große Chancen, um sich künftig mit innovativen Produkten auf dem internationalen Markt zu behaupten. „Artificial Intelligence made in Germany“ soll zum weltweiten Exportschlager und zur Schlüsseltechnologie werden. Das hat die Bundesregierung in dieser Woche entschieden und dazu eine umfangreiche Digitalstrategie erarbeitet, in deren Zentrum die Förderung von KI steht. Bis 2025 soll die Zukunftstechnologie mit drei Milliarden Euro unterstützt werden. Das wird auch höchste Zeit. Denn im Wettbewerb mit China und den USA – den beiden KI-Anführern – kann Deutschland nicht mithalten. China beispielsweise hat bereits angekündigt, 128 Milliarden Euro bis zum Jahr 2020 in KI zu investieren. Auch Frankreich pumpt bis 2023 1,5 Milliarden Euro in KI.

Künstliche Intelligenz ist ein Sammelbegriff für Computersysteme, die in der Lage sind, Probleme eigenständig zu erfassen und zu lösen. Damit hat sie sich in den letzten Jahren zu einer Schlüsseltechnologie entwickelt, von der ganz wesentlich unser künftiger Wohlstand abhänge und die Frage, ob und wie wir unsere europäischen Werte von der Würde jedes einzelnen Menschen und dem Schutz der Privatsphäre auch im digitalen Zeitalter verteidigen können, sagte Kanzlerin Angela Merkel.

Der Bund investierte dennoch lediglich 92,4 Millionen Euro im vergangenen Jahr in die Forschung und Entwicklung von KI. Das bedeutet zwar auch ein Ausgabenanstieg um 18 Prozent seit 2009, doch der Förderanteil für KI-Forschung – gemessen an der Gesamtförderung von Informations- und Kommunikationstechnologien – hat sich kaum verändert. Auch in Brüssel passiert bisher zu wenig. Dort werden gerade einmal 0,2 Prozent für KI-Forschung bis 2027 ausgegeben. Es ist daher ein positives Zeichen, dass die Bundesregierung mit ihrer Digitalstrategie ihre Zurückhaltung in Bezug auf die Schlüsseltechnologie des Jahrhunderts aufgibt.

 

Die Strategie sieht vor, mit den drei Milliarden Euro unter anderem 100 neue Professuren im Bereich KI zu schaffen sowie Kompetenzzentren auszuweiten, um die Technologie zu testen. Außerdem soll der Zugang zu Daten der öffentlichen Hand verbessert werden und Deutschland für Spitzenforscher attraktiver gemacht werden.

Bei einer zweitägigen Klausur zum Thema Digitales diese Woche hatte sich das Kabinett intensiv mit KI auseinandergesetzt und am Donnerstag seine Digitalstrategie verabschiedet.

Bisher ist Deutschland nur im Bereich des autonomen Fahrens konkurrenzfähig. Auf anderen Feldern, wie bei Smarthome oder autonomen Systemen hinkt Deutschland stark hinterher, so Experten. Dabei gilt es, riesiges Potenzial zu heben. Laut des Instituts für Innovation und Technik könnte der Einsatz der Technik  allein im produzierenden Gewerbe in den nächsten fünf Jahren eine zusätzliche Bruttowertschöpfung von rund 31,8 Milliarden Euro ermöglichen. „Das ist mehr als bei allen großen Basis-Innovationen seit Erfindung der Dampfmaschine“, ist sich Bundeswirtschaftsminister, Peter Altmaier, sicher.

Es geht hier allerdings nicht nur darum, dass Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit gesichert ist. Es geht hier auch um Europa. Europa soll bei der Technologie in Zukunft die Standards setzen, nicht die USA und nicht China. Doch eine KI nach europäischen Wertmaßstäben, wie es im Strategiepapier heißt, ist nur dann möglich, wenn die Technologiesouveränität bei den entsprechenden Hard- und Softwarekomponenten vorliegt und Abhängigkeiten von Dritten unterbunden werden.

Für das nächste Jahr sind vom Haushaltsausschuss nur 50 Millionen Euro für KI-Forschung genehmigt, 450 Millionen Euro sollen es in den Folgejahren werden. Bei der Forschung ist Deutschland bereits jetzt aktiv. Um die Aktivitäten allerdings noch zu stärken, sollen sich zwölf Zentren zu einem Netzwerk zusammenschließen.

Überdies soll Spitzenforschern das Arbeiten in Deutschland schmackhaft gemacht werden, unter anderem mit einem sogenannten Dual-Career-Modell, welches den Übergang zwischen Wirtschaft und Wissenschaft erleichtern soll. Damit sollen Forschungsergebnisse schneller und besser ihren Weg in marktfähige Produkte finden.

Zentral in der KI-Strategie der Bundesregierung ist der Mittelstand, der bei seinen KI-Aktivitäten zum Beispiel von einem KI-Trainer unterstützt werden soll.

Anfang 2020 soll überprüft werden, wie die Strategie wirkt und in welchen Bereichen sie ggf. angepasst werden muss.

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