Corona hat Deutschland wieder fest im Griff

Erstellt am: 26.10.2020 – Geändert am: 26.10.2020

Quelle: Canva

Die Corona-Pandemie hat Deutschland wieder fest im Griff. Seit dem 7. Oktober verzeichnet das RKI einen sprunghaften Anstieg der Infektionszahlen. Beim Blick auf unsere Nachbarn zeigt sich: es ist jetzt Zeit zu handeln. Einen erneuten Lockdown gilt es mit allen Mitteln zu verhindern. Dafür ist ein differenziertes Vorgehen notwendig.

Seit Montag, den 19. Oktober 2020, gilt in Baden-Württemberg die Pandemiestufe 3. Seither besteht landesweit die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in öffentlich zugänglichen Bereichen im Freien, soweit die Gefahr besteht, dass der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Zulässige Ansammlungen werden auf maximal 10 Personen begrenzt. Das private Zusammentreffen von Personen wird auf maximal zehn Personen oder zwei Hausstände begrenzt. Veranstaltungen dürfen mit maximal 100 Teilnehmenden stattfinden. Die aktuelle Verordnung kann online hier (https://www.baden-wuerttemberg.de/de/service/aktuelle-infos-zu-corona/aktuelle-corona-verordnung-des-landes-baden-wuerttemberg/) abgerufen werden.

Klar ist, die Testkapazität wurde seit der ersten Infektionswelle in den Monaten März und April deutlich erhöht. Dennoch zeigt insbesondere der Anstieg der Positivtests seit zwei Wochen um 100 Prozent, dass wir in einer neuen Welle sind. Diese gilt es nun unter Kontrolle zu bringen.

 

1. Priorität: Bildung

Der Betrieb von Kindertagesstätten, Schulen und Universitäten muss sichergestellt sein. 

Die Kindertagesstätten sind systemrelevant. Sie entlasten nicht nur Eltern, sondern sind auch für die Wirtschaft von großer Bedeutung. Wie die Corona-Kita-Studie zeigt, sind Kinder weder Infektionsherde noch Infektionstreiber. Laut der Studie wiesen seit Mitte März relativ konstant rund zehn Prozent der beteiligten Kitas und Tagespflegestellen mindestens einen Corona-Verdachtsfall auf. Höchstens ein Prozent der Einrichtungen hatte mit einem tatsächlichen Infektionsfall zu tun. Weniger als ein Prozent berichteten, dass sie seit dem Frühjahr infektionsbedingt schließen mussten.

Auch Schulen sind keine Infektionsherde. Es gab relativ wenige Corona-Infektionen und Quarantäne-Maßnahmen: Bis zu den Herbstferien nahmen durchschnittlich 98 Prozent aller Schülerinnen und Schüler am Präsenzunterricht im neuen Schuljahr teil. Infektionen werden überwiegend von außerhalb in die Schulen getragen.

Der universitäre Betrieb ist ebenfalls aufrechtzuerhalten. Das vollumfänglich digitale Sommersemester wird nun durch ein Hybridmodell abgelöst - insbesondere Studienanfänger erhalten durch Präsenzveranstaltungen die Möglichkeit, ihre Universität kennenzulernen. Dabei hat auch hier der Infektionsschutz oberste Priorität. Nachverfolgungen, Abstandsregeln und Hygienekonzepte wurden dafür von fast allen Universitäten und Hochschulen entwickelt.

 

2. Die Wirtschaft am Laufen halten

Mitte Oktober stellten die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Herbstprognose vor. In dieser revidieren sie ihre Prognose für dieses und nächstes Jahr um jeweils einen Prozentpunkt nach unten. Das zeigt, die Wirtschaftskrise ist noch lange nicht vorbei. Eine erneute Vollbremsung könnte sich zum Todesstoß der Wirtschaft entwickeln. Zahlreiche Branchen stehen schon jetzt mit dem Rücken zur Wand. Besonders betroffen sind die Branchen, die ihre Arbeit nicht in den digitalen Raum verlagern können und auf den persönlichen Kontakt angewiesen sind. Dabei ist in manchen Branchen der Umsatz von heute auf morgen vollständig weggebrochen. Schausteller haben quasi Berufsverbot und stehen de facto 2020 größtenteils ohne jegliche Umsätze da. Auch Messe- und Werbedienstleister, das Gastgewerbe sowie die Tourismusbranche haben durch starke Restriktionen immense Umsatzeinbrüche zu verbuchen.

Sie müssen nun zielgerichteter unterstützt werden. Die Überbrückungshilfe ist weiter zu flexibilisieren und zu verlängern. Ebenso gilt es, verbesserte Ausschreibungsmöglichkeiten und Zuschussprogramme für Modernisierungen und Renovierungen während der auftragslosen Zeit auf den Weg zu bringen. Darüber hinaus halte ich die Einführung eines Corona-Unternehmerlohns für wichtig. Er kann Freiberufler und Soloselbstständige unterstützen, sofern sie nicht anderweitig förderberechtigt sind und deswegen in die Grundsicherung fallen könnten.

 

3. Mit Maß und Vernunft zurückstecken

Eines steht schon jetzt fest: Es braucht Maßnahmen, um die neu entwickelte Infektions-Dynamik zu stoppen. Der "Fullstop" ist jedoch kein Allheilmittel. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Auswirkungen und der daraus resultierende Schaden wären enorm. Deshalb sind bereits jetzt Einschnitte zu machen, die auf der einen Seite verkraftbar sind und auf der anderen das Infektionsgeschehen unter Kontrolle halten. Dazu zählen unter anderem private Feierlichkeiten im größeren Rahmen. So schmerzhaft es auch sein mag, es ist notwendig, den Freizeitbereich auf das Nötigste zu reduzieren und die Kontakte zu minimieren.

Für mich steht fest: Es ist nicht die Zeit für Panikmache. Stattdessen fordere ich ein rationales und gemeinsames Vorgehen. Es benötigt vor allem die konsequente Beachtung der bestehenden AHA-Regeln. Dafür braucht es jeden Einzelnen. Nur wenn jeder mitmacht, lässt sich ein Stück Normalität aufrecht erhalten. Wichtig ist nun, dass unser Gesundheitssystem nicht überlastet wird und auch die Wirtschaft nicht noch größere Rückschläge hinnehmen muss. Sie ist der Motor für Wohlstand für alle, für Freiheit und für unser gesellschaftliches Miteinander. Wirtschaft mag nicht alles sein, aber ohne Wirtschaft ist alles nichts.

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