CDU/CSU-Kongress: Religionsfreiheit für Christen

Erstellt am: 18.05.2018 – Geändert am: 18.05.2018

Vor rund einem halben Jahr ist der Norden Iraks von der brutalen Herrschaft des Terrornetzwerks Islamischer Staat befreit worden. Nun geht es darum, dass Vertriebene – vor allem Christen und Jesiden – wieder in ihre angestammte Heimat in der Ninive-Ebene und dem Sindschar-Gebirge zurückkehren können. Die Unions-Bundestagsfraktion hat das Thema bei ihrem Kongress  unter dem Titel „Einsatz für Religionsfreiheit – Über Perspektiven für Christen und Jesiden im Nordirak“ mit Vertretern aus Politik, Zivilgesellschaft und Hilfsorganisationen diskutiert und Wege nach vorne gesucht. Die Bundesregierung sei bereit zu helfen, so der Bundesminister für wirtschaftliche Entwicklung Gerd Müller. Deutschland sei Geberland Nummer eins. Allein in diesem Jahr würden für Wiederaufbauprojekte im Irak 350 Millionen Euro bereitgestellt. Das ist richtig und wichtig, denn nur durch Investitionen in Entwicklung bekämpfen wir Fluchtursachen, schaffen Sicherheit und Hoffnung.

 

Wie nötig das ist, erklärte Heereman von Zuydtwyck vom Päpstlichen Hilfswerk Kirche in Not. Besonders problematisch sei die Wasserversorgung und die Schaffung von Arbeitsplätzen. Für den Wiederaufbau würden allein in der Ninive-Ebene 253 Millionen Euro  benötigt. „Sicherheit ist alles“, bekräftigte auch der Journalist Stefan Meining, der bereits mehrfach den Irak bereist und seine Erlebnisse in einem Film zusammengefasst hatte, der auf dem Kongress gezeigt wurde. Der Film zeigt die Skepsis der Menschen, die trotz Wiederaufbau ihrer Häuser mit internationalen Hilfsgeldern, hoffnungslos in die Zukunft schauen. Die Christen fühlten sich als Menschen zweiter Klasse, sie sähen sich weder als Kurden noch als Iraker an. „Ohne internationale Sicherheitsgarantien werden auch die letzten irakischen Christen ihre Heimat verlassen“, resümierte Meining.

 

Der Gründer und Exekutivdirektor des irakischen christlichen Hilfswerks CAPNI, Emanuel Youkhana, stimmte zu, dass es nicht ausreiche, nur physische Sicherheit zu gewährleisten, Häuser, Schulen und Gesundheitseinrichtungen zu bauen. Damit sich Christen wieder vollständig ansiedeln könnten, müsste die Ninive-Ebene von den ideologischen Wurzeln und den Einstellungen der Menschen gegen die religiösen Minderheiten im Land befreit werden, die das Grauen des IS überhaupt erst ermöglicht hätten. Nach wie vor würden Christen als Ungläubige und Jesiden als Teufelsanbeter gesehen. So lange es keine Religionsfreiheit gebe, so Youkhana, gäbe es für Christen und Jesiden keine Zukunft im Norden Iraks. Und das, obwohl Christen bereits seit mehr als 2000 Jahren und Jesiden seit 4000 Jahren dort ihre Heimat haben.

 

Gerd Müller forderte daher, dass die Religionsfreiheit umgesetzt, Verbrechen aufgearbeitet und Versöhnungsarbeit geleistet würde. Das bekräftigte auch die jesidische Journalistin Düzen Tekkal, die außerdem Gründerin und Vorsitzende des Vereins Hawar.help ist, der sich insbesondere für Frauen einsetzt, die unsäglich unter dem Krieg gelitten haben. Um Gerechtigkeit herzustellen, bedürfe es einer Strafverfolgung durch den internationalen Strafgerichtshof und einer Entschädigung der Opfer.

Zurück