Besuch von Günther Oettinger in Kernen

Erstellt am: 25.09.2017 – Geändert am: 25.09.2017

"Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Europa"

Quelle: CDU Deutschlands / Markus Schwarze

Gut gelaunt und mit klaren Worten im Gepäck kam der EU-Kommissar und ehemalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger letzten Samstag auf dem Marktplatz in Kernen an: „Europa muss mit einer Stimme sprechen, sonst werden wir auf der weltpolitischen Bühne zwischen den USA und China nicht mehr wahrgenommen.“ Von einem Europa der zwei Geschwindigkeiten hält der 63-Jährige, der sich mit Joachim Pfeiffer bei Maultaschen und Kartoffelsalat den Fragen der rund 120 interessierten Bürgerinnen und Bürger stellte, nichts. Auch die Notwendigkeit eines europäischen Finanzministers, wie vom französischen Präsidenten Macron gefordert, sieht Oettinger nicht, ebenso wenig wie eine gemeinsame europäische Armee. Allerdings sei eine verbesserte Koordination wie bei Rüstungsprojekten nicht nur sinnvoll, sondern geradezu notwendig. Als ihm der Vorsitzende des CDU-Gemeindeverbands Kernen, Andreas Niederle, ein Glas Wasser auf das Pult stellen wollte, entgegnete Oettinger flapsig: „Eine Weinschorle wäre mir aber lieber“ und sorgte damit für heiteres Gelächter.

Auch Joachim Pfeiffer betonte die Bedeutung der EU für Deutschland. Der Binnenmarkt sei der Ast, auf dem der Wohlstand und der Arbeitsmarkt Europas ruhe. Protektionistische Tendenzen beispielsweise von Seiten der USA seien daher fehl am Platz. Speziell Baden-Württemberg profitiere in großem Maße vom freien Handel. Das solle auch so bleiben.
 
Dazu trage auch der Export der Fahrzeuge der baden-württembergischen Autohersteller bei, erklärte Oettinger. Statt diese zu schwächen, gelte es, die Automobilbranche angesichts des Strukturwandels zu stärken. Baden-Württemberg sei besonders hart getroffen, wenn Autos künftig elektrisch fahren. Denn dann würden Zündkerzen überflüssig - Bosch. Sie benötigen auch keine Kühler mehr - Behr - keine Kolben - Mahle und auch kein Getriebe - ZF und Getrag. Von Fahrverboten warnte er ausdrücklich und gab sich gewiss, dass uns Diesel- und Benzinmotoren noch lange erhalten bleiben.
 
Um die Zukunft Baden-Württembergs zu sichern, sei Bildung und damit die Stärkung des tertiären Sektors zentral. Hierzu müsste die Universität Stuttgart noch besser werden und zu Universitäten mit Weltklasseniveau wie Berkeley oder Standford in den USA aufschließen. Das gelte insbesondere für die Digitalisierung und Ausbildung von IT-Spezialisten. In den USA brenne die digitale Luft im Silicon Valley deshalb, weil dort unter anderem eine Vielzahl guter Forschungseinrichtungen angesiedelt sei. Auch wenn die Ausbildung von Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlern billiger sei als die von Naturwissenschaftlern müssten wir gerade hier investieren und wieder neue Innovationsfreude wecken. In der Vergangenheit, erklärte der Jurist Oettinger, war Deutschland ein Auswanderungsland. Nur dank des Tüftlergeistes unserer Vorfahren wurde Deutschland zu einem Land mit Wohlstand und Wachstum. Eben diese Freude und Hingabe an das Forschen, Entwickeln, Gründen und Tüfteln bräuchte Baden-Württemberg auch heute wieder. „Dieser Maxime muss vor allem die Region Stuttgart als Kernregion des Landes Baden-Württemberg folgen“.
 
Joachim Pfeiffer dankte dem zwischen Brüssel und Baden-Württemberg hin- und herreisenden Vollblut-Europäer für sein Kommen und lud die anwesenden Gäste zu frisch zubereiteten Maultaschen und Kartoffelsalat von der CDU Kernen ein.

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