Berufsbildungsbericht 2018: Azubis wanted!

Erstellt am: 25.04.2018 – Geändert am: 25.04.2018

Viele Länder beneiden Deutschland um das Prinzip der dualen Ausbildung, sorgt es hierzulande doch für eine niedrige Jugendarbeitslosigkeit und eine hohe Produktivität in Handwerk und Technik. Im eigenen Land scheint das Modell allerdings auszulaufen. Hier geht die Jugend lieber studieren mit negativen Folgen für eine Vielzahl an Branchen, die durch den Nachwuchsmangel an Azubis in ihrer Existenz bedroht sind: Angefangen beim Maschinenbau über die Elektroindustrie bis hin zur Informationstechnik. Zehntausende Azubi-Stellen sind unbesetzt. Und das, obwohl die Chancen auf dem Ausbildungsmarkt so gut sind wie lange nicht, wie der jüngst veröffentlichte Berufsbildungsbericht deutlich macht.

 

Demnach kommen auf 100 Bewerber 105 Ausbildungsplätze. Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist im letzten Jahr leicht auf nun über 523.000 angestiegen. Allerdings bildet nicht einmal jeder fünfte Betrieb in Deutschland aus. Und 49.000 Ausbildungsstellen konnten nicht besetzt werden – diesen standen fast 24.000 Bewerber gegenüber, die leer ausgingen.

Eine große Herausforderung bleibt also das Verhältnis von Angebot und Nachfrage.

 

Ausbildung wertschätzen

Um den Mangel an Facharbeitern entgegenzuwirken, gilt es, die betriebliche Ausbildung in Deutschland zu stärken.

Das beginnt bei der Wertschätzung dieses Ausbildungs-Modells. Während die akademische Ausbildung hauptsächlich angebotsgetrieben ist, ist die duale Ausbildung nachfragegetrieben. Sprich: Ein Ausbildungsplatz wird nur zur Verfügung gestellt, wenn sich diese Investition langfristig für das Unternehmen lohnt. Dadurch reduziert sich das Einstellungsrisiko von Bewerbern bereits zu Beginn ihres Berufslebens. Für einen hoch regulierten Arbeitsmarkt in Deutschland ist dieses Marktsignal enorm wichtig.

Außerdem gibt es Handlungsbedarf bei der Berufsorientierung, Begleitung am Übergang von Schule und Beruf sowie bei der zielgenauen Vermittlung. Denn fast ein Drittel der Studierenden bricht das Studium ab. Insbesondere gilt es, mehr jungen Frauen die duale Ausbildung schmackhaft zu machen sowie mehr jungen Menschen mit Migrations- oder Fluchthintergrund den Schritt ins duale System zu erleichtern. Laut des aktuellen Bildungsberichts, den die Bundesbildungsministerin Anja Karliczek vergangene Woche in Berlin vorgestellt hat, hatten bis zum Beginn des Hochschuljahres etwa 10.000 Flüchtlinge eine Lehre begonnen. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Die größte Azubi-Lücke gibt es in den neuen Bundesländern aber auch in Bayern und Baden-Württemberg.

 

Modernisieren für Industrie 4.0

Gerade in den Berufsschulen gibt es erheblichen Modernisierungsbedarf sowohl hinsichtlich Ausstattung als auch Personal. So hat das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie anhand aktueller Prognosen über die Entwicklung der Schülerzahlen errechnet, dass an Berufsschulen bis 2025 knapp 22.000 Lehrkräfte fehlen werden.

Darüber hinaus gilt es, das hiesige Bildungssystem durchlässig zu machen und die Berufsbilder an die neuen Anforderungen im Rahmen von Industrie 4.0, Fabrik der Zukunft und Digitalisierung anzupassen. Das setzt auch voraus, dass notwendiges Material für moderne Lernmedien- und Inhalte zur Verfügung gestellt und Weiterqualifizierungsmöglichkeiten angeboten werden.

Mit dem im Koalitionsvertrag verankerten Berufsbildungspakt hat die Große Koalition die Weichen richtig gestellt und wird sich für eine Stärkung der dualen Ausbildung in Deutschland einsetzen.

 

Werfen Sie einen Blick in den Berufsbildungsbericht 2018 hier.

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