US-Truppenabzug schwächt Interessen der USA, Europas und der NATO

Erstellt am: 29.08.2020 – Geändert am: 28.08.2020

Quelle: Canva

Im Juni hat US-Präsident Donald Trump seine Pläne bekräftigt, rund ein Drittel der bislang in Deutschland stationierten Soldaten abzuziehen. Nun sollen rund 12.000 US-Soldaten Deutschland verlassen. Der angeordnete Truppenabzug belastet das transatlantische Verhältnis weiter.

“Den angeordneten Abzug von rund einem Drittel der bislang in Deutschland stationierten US-Soldaten halte ich in der Sache für falsch. Er schwächt letztlich nur die Interessen der USA, Europas und der NATO. Allerdings muss auch die Verpflichtung Deutschlands zum Zwei-Prozent-Ziel bei den Verteidigungsinvestitionen umgesetzt werden.”, so Joachim Pfeiffer. Diese hat die Große Koalition noch einmal im Jahr 2014 durch den SPD-Außenminister Steinmeier bekräftigt. “Dass sich die SPD hiervon distanziert, ist nicht tragbar. Es gilt weiterhin den eingeschlagenen Weg zu verfolgen und die Ausgaben bis 2024 weiter zu erhöhen. Dafür setzt sich die Union ein”, unterstreicht der wirtschafts- und energiepolitische Sprecher CDU/CSU-Bundestagsfraktion.

Deutschland und die USA pflegen seit Jahrzehnten ein vertrauensvolles Verhältnis. Die USA haben den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg unterstützt, politisch durch entscheidende Impulse für den Aufbau einer freiheitlichen Demokratie und wirtschaftlich durch den Marshall-Plan gegeben. Auch die deutsche Einheit wäre ohne Beistand der USA im Kalten Krieg und bei der deutschen Wiedervereinigung nicht erreicht worden. 

Seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs sind US-Soldaten in Deutschland stationiert. Seit 1954 sind sie durch das NATO-Besatzungsstatut legitimiert. Von einst mehr als 250.000 stationierten US-Soldaten hat sich die Zahl seit der Wiedervereinigung auf zurzeit 35.000 stark reduziert. Damit ist Deutschland immer noch weltweit der zweitwichtigste Truppenstandort der USA nach Japan.

Die amerikanischen Stützpunkte haben das Leben in den jeweiligen Regionen Deutschlands maßgeblich mitgeprägt. Neben den Soldaten arbeiten dort auch zahlreiche Zivilisten. Der angeordnete Abzug wird somit nicht nur sicherheitspolitische, sondern vor allem auch gesellschaftliche und wirtschaftliche Auswirkungen haben. 

Über 70 Jahre standen Deutschland und Europa unter dem Schutzschirm der USA. Nun muss Deutschland mehr Eigenverantwortung übernehmen und Europa eine eigenständigere Rolle in der Welt einnehmen. Dafür spricht auch der zunehmende Protektionismus sowie die angedrohte Verschärfung der Sanktionen gegen Nord Stream 2, die die Beziehungen ebenfalls spürbar belasten. Doch das transatlantische Verhältnis ist zu wichtig, um es leichtfertig aufs Spiel zu setzen. Daher ist jetzt beiderseits des Atlantiks alles zu tun, um die drohende Lose-Lose-Situation auf politischer, wirtschaftlicher und strategischer Ebene zu verhindern. Gelingt dies nicht, dreht sich die Spirale weiter. Die EU müsste mit harten Gegenmaßnahmen reagieren.

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